Ein Standard-Super der dann doch nicht ganz so gewöhnlich ist…

Dieses Gerät erhielt ich im vergangenen Oktober auf der AREB von einem Sammlerkollegen aus Cranzahl nachdem wir ein Jahr zuvor darüber gesprochen hatten, das ich immer Interesse an ungewöhnlichen Geräten aus der DDR habe.

Auf den ersten Blick ein Gerät das den 40er Jahren entstammt. Durchgeschliffenes Furnier und Knöpfe, die zum Teil vom VE301 stammen, geben dann schon den ersten Hinweis. Ein Blick auf die Skale und es wird noch deutlicher, dass dieses Gerät nicht industriell gefertigt ist!


Die Rückwand verrät leider fast nichts über das Gerät und schon gar nichts über seinen Erbauer.

Im Inneren wird es interessant. Ein Saba DE20W Lautsprecher aus der Mitte der 30er Jahre erwartet man hier eigentlich nicht. Der Rest sieht dann schon etwas mehr nach einem DDR-Produkt aus.
Oktalröhren aus dem Oberspreewerk bzw. Werk für Fernmeldewesen – HF sind für die späten 1940er und frühen 1950er Jahre nicht unüblich. Die Gleichrichterröhre AZ1 von Phonetika Radio ist heute nicht mehr oft zu finden, aber spricht ebenso für diese Zeit.
Eine Röhre sticht aber heraus. Es ist eine 6A8G von FIVRE. Dieser Röhrentyp war hierzulande eher unbekannt. Aus sowjetischer Fertigung ist die 6A8 als Stahlausführung bekannt, aber in der DDR sucht man auch diese vergeblich. Die Röhre ist vermutlich von einem Soldaten aus Italien mit in die Heimat gebracht worden und wurde hier verwendet, um die Kosten für das Gerät gering zu halten.
Der Röhrensatz sieht somit wie folgt aus: 6A8G, 6SK7, 6SQ7, 6V6, AZ1.
Nicht gespart wurde aber offensichtlich an anderer Stelle, denn zwischen den Röhren leuchtet einen das alte Firmenlogo von Gustav Neumann an. Es kommt also ein zeitgemäßer Spulensatz zum Einsatz!

Das Chassis und auch die Skale bestehen aus einem Verbundmaterial aus dünnem Aluminiumblech und Sperrholz. Ob dieses Material damals irgendwo industriell gefertigt wurde oder dem Erfindungsreichtum jenes Rundfunkmechanikers entstammt, entzieht sich meiner Kenntnis.

Die Chassisverdrahtung ist nicht herausragend, aber auch nicht als schlampig zu bezeichnen.

Der Spulensatz war für mich der ausschlaggebende Punkt, dieses Gerät zu erwerben, denn den SSp116 kannte ich bisher nur von Fotos. Der Produktionszeitraum betrug nur etwa ein Jahr, daher ist diese Komponente heute nur selten zu finden.
 
Dem Erbauer muss der Kurzwellenempfang recht wichtig gewesen sein, denn die Skale hat viele Markierungspunkte und der Skalenzeiger ist extra abgeflacht!

Auch die aufgeführten Stationen für die Mittelwelle sind recht interessant und zeigen, dass dieses Gerät nicht unter strenger Aufsicht der Obrigkeit entstanden ist. Denn sonst würden hier sowohl RIAS als auch Rot-Weiß-Rot auf der Skale keinen Platz gefunden haben.

Die Reparatur war unspektakulär. Die alten Kondensatoren wurden neu befüllt und danach spielte das Gerät auch schon gut.
Die Empfangsleistung ist mit üblichen 6-Kreis-Superhets vergleichbar.
Datieren lässt sich das Gerät recht genau. Der Spulensatz wurde nur im Zeitraum 1949/50 gefertigt. Das Firmenlogo von Gustav Neumann änderte sich vermutlich mit Beginn des Jahres 1950 vom rot-weiß-schwarzen Logo wie in diesem Gerät zu sehen auf das simple gelb-schwarze Dreieck. Der eine Siebelko aus dem Elektro-Apparatewerk Köppelsdorf (EAK) trägt das Datum 21.06.49. Somit fällt der Produktionszeitraum in den Bereich Mitte 1949 bis vielleicht Ende 1951.
Das Gerät ist mit Sicherheit in Sachsen entstanden. Wo genau und von wem wird aber wohl für immer ein Rätsel bleiben. Das der Erbauer vom Fach war und nicht einfach stumpf einen Bauvorschlag befolgt hat, dürfte mit der Verwendung der 6A8 bewiesen sein.

Einige Komponenten von Hescho

Im VEB Keramische Werke Hermsdorf entstanden viele Komponenten für die Rundfunkindustrie und auch einige die für die Radiobastler von besonderem Interesse waren.

Der Super-Spulensatz EZs0104 ist ein gutes Beispiel für die Produkte aus Hermsdorf.
Der Spulensatz besteht hauptsächlich aus einer Calit genannten Keramik. Die Rohr- und Trimmkondensatoren stammen auch aus den Hescho-Werken.
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Zur Komplettierung des Superhets wurden auch ZF-Filter und Sperrkreise in Keramischen Gehäusen gefertigt.

Die ZF-Filter EZs0101 gibt es in mehreren Entwicklungsstufen. Die hier gezeigte Variante ist das EZs0101b.
Die Beschichtung auf dem Filtergehäuse besteht aus galvanisch aufgebrachtem Kupfer das einige hundertstel Millimeter dick ist! Spätere Varianten haben dann ein Gewinde auf dem Filtergehäuse und werden mit einer Überwurfmutter aus Bakelit mit dem Chassis verschraubt. Die abschirmende Beschichtung auf den späteren Varianten ist dann zumeist orange.https://radio-pirol.org/files/hescho_ezs_0101b_1.jpghttps://radio-pirol.org/files/hescho_ezs_0101b_2.jpg

Nachfolgend noch der Sperrkreis EZs0116.https://radio-pirol.org/files/Hescho_Sperrkreis_EZs0116_1.jpghttps://radio-pirol.org/files/Hescho_Sperrkreis_EZs0116_2.jpg

Einige Komponenten von Gustav Neumann – Creuzburg (Werra)

Das Unternehmen wurde ursprünglich 1924 in Berlin gegründet. Ab 1939 wurden im thüringischen Creuzburg ebenfalls Komponenten gefertigt. Dieser Betriebsteil blieb dann nach 1945 bestehen und lieferte sehr viele Komponenten für die Rundfunkindustrie aber auch für die Radiobastler.

Nachfolgend einige Komponenten.

Superspulensatz SSp156 – bestehend aus: Wellenschalteraggregat VOW-8t, ZF Bandfilter I und II sowie Saugkreis S2.

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Der komplette Spulensatz und Originalschachtel.
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alle Komponenten wie auf dem Katalogbild
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Saugkreis S2
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Wellenschalteraggregat VOW-8t in verschiedenen Ansichten

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Das ZF Bandfilter I in unterschiedlichen Ausführungen.

links: wohl die älteste Ausführung vermutlich vor 1950 – hier Lötösen mit angelötetem Kondensator (ungemarkt aber sicher aus Hermsdorf); mitte: Ausführung vermutlich ca. 1951/52 mit speziellem Hescho-Kondensator welcher die Pins des Filters bildet und nach oben hin auch die Lötösen für den Wicklungsdraht; rechts: die jüngste Variante ca. 1953/54 mit Lötösen und plastisolierten Kondensatoren aus Gera Die Kondensatoren aller Varianten haben 160pF!

Das ZF Bandfilter II in unterschiedlichen Ausführungen.

links und mitte: Beide vermutlich 1951/52, unterscheiden sich nur im verwendeten Kunststoff rechts: Ausführung ca. 1953/54 mit plastisolierten Kondensatoren aus Gera

 

Ein weiteres Wellenschalteraggregat: Das VOW-4t wird mit den Superspulensätzen SSp134 und SSp136 geliefert.

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HFWM Spulenrevolver SR3

Ab 1951 wurde in den Hochfrequenz Werkstätten Meuselwitz (H.F.W.M.) ein Spulensatz für Großsuper mit 6 Wellenbereichen hergestellt.
Er fand in Geräten der Elektro-Apparatefabrik Köppelsdorf (EAK) Verwendung.
Es sind die Großsuper 97/51W und 97/51WS.
Für den interessierten Radiobastler stand der Spulensatz ebenfalls zur Verfügung. Evtl. aber erst nach Produktionsende der o.g. EAK-Geräte.
Eine Dokumentation findet sich hier bzw. unter Literatur.









H.E. Koster & F. Spudich – Die Superhet-Spulensätze

Ich habe mal ein kleines Büchlein gescannt das für den klassischen Radiobastler von Interesse sein dürfte.
Erschienen ist es 1949 bzw. 1950 in der „Schriftenreihe für den Rundfunktechniker“ herausgegeben von Wilhelm Beier im Deutschen Funk-Verlag. Es dürfte sich hierbei um jenen W. Beier handeln welcher auch die bekannten Röhrentaschentabellen herausgegeben hat.
Zu den beiden Ingenieuren die ihr Wissen hier verewigt haben konnte ich leider nichts in Erfahrung bringen! Sollte es Nachfahren geben, die mir etwas zu den Autoren mitteilen können, so möge man mich bitte kontaktieren!
Download: H.E.Koster & F.Spudich – Die Superhet-Spulensätze (über archive.org)
Superhet Spulensätze

Federn – Draht – u. Metallwaren – Fabrik Rudolf Lang

Mir ist hier ein netter kleiner Reklameartikel zugelaufen den ich hier gern zeigen möchte.
Es ist eine kleine Produktübersicht der Federn – Draht – u. Metallwaren – Fabrik Rudolf Lang in Brandenburg (Havel) – Magdeburger Str. 19b. Sie zeigt einige „Federn und Stanzteile für die Radio und Elektroindustrie in Präzisionsausführung“
Die Pappkarte ist etwas kleiner als DIN A5 und stammt vermutlich aus den 1930er Jahren.
Rudolf Lang

HFWM – Spulensatz für AM/FM Super

Die VEB Hochfrequenz-Werkstätten Meuselwitz (HFWM), vormals Betriebsteil der Fa. Julius Karl Görler (Berlin), waren ein bedeutender Zulieferbetrieb für die Rundfunkindustrie in der DDR.
Neben den Komponenten für die Industrie fertigten die HFWM aber auch Dinge die für die Bastler in der DDR von Interesse waren.
So wurden in den 50er Jahren Spulensätze angeboten die, dem etwas versierteren Bastler, den Selbstbau von Rundfunkgeräten erlaubten.

Die oben abgebildeten Komponenten ermöglichen den Bau eines 6/9-Kreis Superhet unter Verwendung von 7 bzw. 8 Röhren.

Die beiliegende Anleitung beinhaltet Hinweise zum mechanischen Aufbau, eine Abgleichanweisung und einen Beispielschaltplan (Schaltung 2008). Interessanterweise aber keine genaueren Angaben zu den Wellenbereichen. Aus der Abgleichanweisung lässt sich immerhin ableiten das im KW-Bereich von 49m bis über das 19m Band hinaus empfangen werden kann (evtl. bis ins 13m Band).
Zum UKW Bereich gibt es leider garkeine Angabe. Ich gehe hier vorerst von 86-100MHz aus.
Der Schaltplan sieht folgende Röhrenbestückungen vor: EF80, EF80, ECH81, EF85, EABC80, EL84, AZ12 oder 6AC7, 6AC7, ECH11, EF11, 6SQ7, 6H6, 6V6, AZ12. Oder natürlich auch eine Mischung daraus oder gar etwas davon abweichendes, denn Röhren waren ja bekanntlich meist schwer zu beschaffen. Aus heutiger Sicht ist auch der Einsatz einer EZ81 als Gleichrichter denkbar. Diese war allerdings, als dieser Spulensatz 1954 entstand, noch nicht gar nicht entwickelt. Denkbar wäre hier als Gleichrichter noch die EZ12 welche einen deutlich geringeren Bedarf an Heizstrom hat und ihren Heizstrom auch mit aus einer Heizwicklung, zusammen mit den anderen Röhren, beziehen könnte.

10 Jahre Allei – Preisliste 1934

Heute gibt es mal einen ganz aktuellen Katalog!  Gerade einmal 81 Jahre alt ist dieses nette Zeitdokument, das ich einfach scannen musste!
Die Firma Allei (Alfred Lindner Leipzig) wurde 1924 gegründet, hatte also 1934 ihr 10-jähriges Firmenjubiläum.
Der Katalog zeigt die recht umfangreiche Produktpalette. Hier dürfte wohl jeder Radiobastler etwas gefunden haben. Ob er es sich auch leisten konnte, sei einmal dahingestellt…
Download als djvu (ca. 20.2MB)
Download als pdf (ca. 27.6MB)
10 Jahre Allei

Tesla Menuet 2 – 2822B-5

Viel Zeit ist vergangen seit dem letzten Beitrag, nun hab ich meine Schreibfaulheit mal überwunden und hier gibts etwas zu diesem Taschenradio aus der ČSSR zu lesen.

Das Menuet 2 war ab 1970 in der ČSSR im Handel und kam 1971 auch als Exportprodukt in die DDR.
Zum Vorgängermodell Menuet 2822B unterscheidet es sich hauptsächlich schaltungstechnisch und durch den zusätzlichen stark eingeschränkten Langwellenbereich.
In der ČSSR ist der Bereich für „Československo I“ und in der DDR für den Deutschlandsender vorgesehen.
Das tschechoslovakische Modell hat die Typenbezeichnung 2822B-3.


Das Menuet 2 war in der DDR in (mindestens) 2 Farben im Handel erhältlich – blau und grau. In der DDR war der Preis mit 330 Mark angesetzt. In der ČSSR wurden 1915 Kronen verlangt.
In seinem Ursprungsland gab es das Gerät definitiv auch mit komplett schwarzem Gehäuse. Ein Exportgerät in schwarz ist mir bisher allerdings nicht untergekommen.



Mein Gerät bekam ich in der Originalverpackung mit allen Originalpapieren.
Somit liegt nun auch (endlich) der Schaltplan zum 2822B-5 vor.




Der Schaltplan und die Bedienungsanleitung können hier als zip-Archiv heruntergeladen werden.
Interessanterweise ist in der Bedienungsanleitung noch das Vorgängermodell abgebildet!

Mein Dank gilt an dieser Stelle Ringo, der mir dieses nette Gerät für eine simple Reparatur überlassen hat!

Tesla Sonatina 315A – Restaurationsbericht

Dieses Gerät aus dem Jahr 1960 bekam ich in einem ziemlich verpfuschten Zustand.


So kam das Gerät zu mir:

Das Gehäuse ist recht stark verschmutzt. Die Kunststofffront ist in das Gehäuse mit sehr viel Klebstoff eingeklebt.






Der Stecker ist sehr „schön“ zurechtgeschnitzt.


Die Skalenlampe gehört normalerweise in das runde Loch. Wieso hier ein Teil aus der Leiterplatte ausgeschnitten wurde, um die Lampe nach oben zu versetzen, wird wohl ein Rätsel bleiben.


Bröselige Kabel und ein geplatzter Kondensator. Diese braunen „Toffees“ sind nicht sonderlich beständig und sollten grundsätzlich ersetzt werden!

Die Plexiglasskala ist an allen 3 Befestigungspunkten schon mehrfach geflickt.



Ein einsamer roter Wima Kondensator. Warum aber bloß der eine und nicht gleich Alle?

Das dilettantisch verlötete und nicht isolierte Kabel ist, wie sollte es anders sein, die Netzzuleitung!

Eine 1N4007 ersetzt die PY82.

Der Klangregler ist nicht komplett angeschlossen.

Das ein Riss im Gehäuse ist war in der Auktion erwähnt. Leider hat der Versand zu einem Ausbruch geführt.

Als erstes habe ich die Skala und den Tastensatz demontiert um die Schaltkontakte zu reinigen.





Die Zinnklumpen entfernt und die fehlende Kontaktfläche am Ausgangsübertrager durch eine Lötösenleiste ersetzt.

Die meisten Kondensatoren wurden ersetzt und der Ausschnitt in der Leiterplatte ergänzt um die Skalenlampe wieder an ihre ursprüngliche Position zu bringen!




Die Verdrahtung wurde auch vollständig erneuert da die Isolation bröselig war.

Die Befestigungen der Skala mit einem Stück Kunststoff ergänzt.

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